Das Liebesgedicht Maifest von Johann Wolfgang Goethe
schildert im Allgemeinen das Glück der Liebe. Genauer wird die
Frische und Freude zweier junger Verliebter und deren
Gefühlswelt angesprochen.
Schon der Titel nimmt Bezug auf diese Thematik. Der Mai steht für frühsommerliche Frische, in der viel wächst und gedeiht, genauso wie in dem Gedicht, wo die noch junge Liebe der beiden sich erst entwickeln muss. Das Fest drückt die Freude und festliche Stimmung der Jungverliebten aus.
Im Gedicht wird starker Bezug auf die Natur genommen. Einige Vergleiche und viele Personifikationen sind zu erkennen. Jedes Mal wenn die Schönheit der Natur angesprochen wird, und diese durch Personifikationen vermenschlicht wird, ist eigentlich die Liebe des Mannes zu einer Frau gemeint.
Das Gedicht ist im 2-hebigen Jambus
verfasst. Man spürt sofort die Schnelligkeit und Rhythmik, die
richtig vorwärtsdrängen. Die kurzen Zeilen stellen die
Unbeschwertheit und Leichtigkeit der jungen Menschen dar. Dass
der Jambus 2.hebig ist, deutet daraufhin, dass zum schönen,
unbeschwerten Leben immer zwei gehören. Das wird unterstrichen
durch die Kadenzen, welche immer weiblich, männlich abwechselnd
sind, die die Zusammengehörigkeit von Mann und Frau andeuten.
Extrem verstärkt wird dieses Gefühl der Einheit beziehungsweise
Zusammengehörigkeit durch die vielen Enjambements, welche sich
sogar über die Strophen hinweg erstrecken.
Es ist kein vollständiges Reimschema vorhanden. In jeder Strophe
reimen sich die Zeilen mit den männlichen Kadenzen, also immer
die zweite und vierte Zeile. Genau in diesen Zeilen ist eine
gewisse schwungvolle Stimmigkeit, die sicherlich auf den Reim
zurückzuführen ist. Das soll zum Ausdruck bringen, dass der
Mann viel Kraft, Freude und Mut aus dieser Beziehung schöpfen
kann. Ein zweiter Hinweis darauf ist in folgender Textstelle
vorhanden: Wie ich dich liebe/Mit warmem Blut,/Die du mir
Jugend/Und Freud und Mut/Zu neuen Liedern/Und Tänzen
gibst.
Inhaltlich kann man sagen, dass die Natur immer als Charakterisierungsmittel und Vergleich für die geliebte Frau verwendet wird. Direkt wird eine Person, in diesem Fall eine Frau, fast nie angesprochen, genau genommen nur in der sechsten Strophe: O Mädchen, Mädchen,/Wie lieb ich dich!/Wie blinkt dein Auge,/Wie liebst du mich! Ansonsten wird immer die schöne, wundervolle Natur geschildert, und ein du in der sechsten und vorletzten Strophe könnte man genauso als an die Natur gerichtet sehen. Eigentlich ist aber auf den ersten Blick erkennbar, dass der Autor die Natur, welche ja bekanntlich im Mai besonders schön ist, als Mittel gewählt hat um die Liebe zu schildern.
In der letzten Strophe wird ganz klar, dass es sich um eine Person handeln muss, von der hier die Rede ist: Sei ewig glücklich,/Wie du mich liebst. Denn nur eine Person kann das lyrische Ich ewig lieben. Gleichzeitig hat man an dieser Stelle fast einen Sprung in das Überirdische, da auf einmal von der Ewigkeit die Rede ist.
Die Metaphern, genauer gesagt Personifikationen, in den ersten zwei Strophen, wo eigentlich nur von der Natur gesprochen wird, sollen das Menschhafte unterstreichen: Wie lacht die Flur! und Und tausend Stimmen /Aus dem Gesträuch.
Nach dem langen Enjambement in der zweiten und dritten Strophe kommt ein Teil mit vielen Zäsuren: O Erd, o Sonne,/O Glück, o Lust,//O Lieb, o Liebe,. Das ist das einzige, das vielleicht ein kleines Hindernis für die Liebe bildet. Es wird damit aufgezeigt, dass eine Beziehung auch immer Veränderungen und Umstellungen mit sich bringt, die aber erforderlich sind, auch wenn sie als unangenehm empfunden werden, um eine auf längere Zeit glückliche und erfüllende Beziehung zu leben.
copyright by Franz H.
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