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Der
bürgerliche Realismus 1848-1885:
Bild der Epoche; literarisches Leben, Programm und Formen des epischen Realismus
Gottfried Keller: Romeo und Julia auf dem Dorfe
Theodor Fontane: Effi Briest
Die österr. Autoren der Epochen:
Marie von Ebner-Eschenbach: Die Spitzin
Ferdinand von Saar: Die Steinklopfer
Ludwig Anzengruber
Politische und gesellschaftliche Situation:
Literarisches Leben:
Aufschwung der Literatur durch
Im Realismus herrscht grundsätzlich ein friedliches Nebeneinander von ästhetisch hochwertiger Literatur und Unterhaltungsliteratur, die vor gesellschaftspolitischen Zeitproblemen flüchtet, auch biedermeierliche Idyllen zeichnet oder exotische Abenteuer zum Thema hat z.B. Karl May.
Poetischer bzw. epischer Realismus:
Name stammt vom Dichter Otto Ludwig, er wendet sich gegen die Romantik u. Klassik (rücken Fantasie in den Vordergrund) und gegen tagespolitische Thematik des Vormärz.
Merkmale der Literatur: vorwiegend bürgerliches Milieu (kein Arbeitermilieu); möglichst realistische Beschreibungen; objektive Schreibweise, Erzähler hält sich mit Wertungen zurück; Vorliebe für Epik
Novelle: Priorität im bürgerlichen Realismus, soll
ein bedeutungsvolles Ereignis aus dem Alltagsleben darstellen und
Aufzeigen was Menschenleben überhaupt ist, die Novelle steht dem
Drama näher als dem Roman
Roman: Gesellschaftsroman Ô größerer Ausschnitt aus der Gesellschaft, das
gehobenen Bürgertum, der niedere und mittlere Adel stehen im
Mittelpunkt
Bildungsroman Ô beschreibt Entwicklung einer Einzelgestalt
innerhalb der besitzbürgerlichen Welt. Zentrale Person muß
lernen sich in die Gesellschaft einzuordnen.
Historischer Roman Ô
historisch-authentische Ereignisse und Personen, konfrontiert
wichtige Abschnitte mit der Gegenwart
Drama: im Realismus am Tiefpunkt, nur F. Hebbel
(lehnt das literarische Programm des Realismus ab) und L.
Anzengruber (tritt Erbe Wiener Volksstück an) schreiben Dramen,
die auch heute noch gespielt werden
Lyrik: knüpft an Romantik und Klassik an,
besonders Erlebnislyrik von Goethe, liedhafte Text von Eichdorff,
sind Vorbilder für die Gedichte der Epoche,
Inhalt der Gedichte Ô einfache Gefühle wie Liebe, Natur,
Glück, Trauer usw.
Ballade: greift auf geschichtliche Begebenheiten und Heldenstoffe zurück oder setzt sich mit der modernen Technik auseinander.
Vertreter:
Gottfried Keller mit Romeo und Julia auf dem Dorfe, Wilhelm Raabe, Theodor Strom
Theodor Fontane (1819-1898):
Apotheker, Journalist, Kriegsberichterstatter, Theaterkritiker, schrieb Balladen und Reisebücher, Schöpfer des deutschen realistischen Gesellschaftsromans z.B. Effi Briest, der (in der) im Berliner Adel- und Großbürgermilieu als Unterhaltungsroman gelesen wurde, andererseits ist dieser Roman auch ein kunstvoll gebauter epischer Text Ô Der Roman beschreibt wie eine junge Frau tragisch scheitert und schließlich stirbt, weil die handelnden Personen an traditionell-moralischen Werthaltungen gebunden sind. Effi Briest heiratet 17jährig den um 21 Jahre älternen Baron von Instetten, ein Jugendfreund ihrer Mutter. Sie vereinsamt nach kurzer Ehe. Ihr Mann ist lieb und gut, aber kein guter Liebhaber, Sie geht eine kurze Liebschaft mir Major Crampas ein. Nach Jahren findet ihr Mann Liebesbriefe von Crampas, erschießt seinen Rivalen und läßt sich von Effi scheiden. Das gemeinsame Kind wird ihm zugesprochen. Effi darf nicht zurück in ihr Elternhaus, so lebt sie in ärmlichen Verhältnissen in Berlin. Nach einem Wiedersehen mit ihrer Tochter stirbt sie.
Österreichische Autoren dieser Zeit:
Marie von Ebner-Eschenbach mit "Die Spitzin",
Ludwig Anzengruber, mit Großstadtdramen "Das vierte Gebot" kräftigster Vorkämpfer des Naturalismus
Ferdinand von Saar (1833-1906):
Stammt aus adeliger Familie, Offizier, verließ mit 26 Jahren die Armee, schwere Krankheit, große finanzielle Probleme, Selbstmord,
beschreibt in seinen "Novellen aus Österreich"(1876) sowohl Angehörige des Adels als auch Menschen der unteren sozialen Randgruppe (Unterschied zu den deutschen und Schweizer Realisten!) Jede seiner Novellen ist ein Stück österreichische Zeitgeschichte.
Die Steinklopfer: Ô Der ehemalige Soldat und Steinbrucharbeiter Georg erschlägt aus Notwehr einen brutalen und gefühllosen Aufseher. Nach Verbüßung einer milden Haftstrafe findet er mit dessen Ziehtochter Tertschka ein spätes Glück.
Saar macht mit dieser Novelle die proletarische Arbeitswelt (Bau der Semmeringbahn) zum Thema.