Süskind
wurde am 26. März 1949 als Sohn des Journalisten und Erzählers
Wilhelm Emanuel Süskind in Ambach am Starnberger See geboren.
Nach seinem Geschichtestudium in München (1968-1974), verfasste
er zunächst Drehbücher für das Fernsehen.
Als
Theaterautor debütierte Süskind 1981 an den Münchner
Kammerspielen mit dem komödiantischen Einakter Der
Kontrabaß, der in der Spielzeit 1984/85 mit über 500
Aufführungen das meistgespielte Stück an deutschsprachigen
Bühnen wurde.
Der
große internationale Durchbruch gelang Süskind mit dem Roman
Das Parfüm (1985) über einen Mörder, der junge
Frauen tötet, um in den Genuss des Duftes zu kommen, der die
Körper seiner Opfer umgibt. Anleihen bei der schwarzen Romantik
sowie bei dem Motivkreis um die Schöne und das Biest sind ebenso
offensichtlich wie der Einfluss der Philosophien Nietzsches.
Weniger positiv reagierten Publikum und Literaturkritik auf die
Erzählungen Die Taube (1987) und Die
Geschichte von Herrn Sommer (1991).
Patrick
Süskind als ein exzentrischer und vor allem sensibler Mensch,
lehnt die ihm zuerkannte Literaturpreise ab und ist selten dazu
bereit Interviews zu geben oder in Talkshows aufzutreten. Weiters
zeigt er auch keine Bereitschaft sich fotografieren zu lassen.
Heute
lebt der als medienscheu geltende Autor als freier Schriftsteller
zurückgezogen in München und Paris. Mit dem Protagonisten in
Der Kontrabaß hat sich Süskind
nach
eigener Aussage selbst ein Denkmal gesetzt, insofern als
auch ich den größten Teil meines Lebens in immer kleiner
werdenden Zimmern verbringe, die zu verlassen mir immer schwerer
fällt. Ich hoffe aber, eines Tages ein Zimmer zu finden, das so
klein ist und mich so eng umschließt, dass es sich beim
Verlassen selbst mitnimmt.
2.
Inhaltsangabe
2.1.
Das Parfum
Jean-
Baptiste Grenouille wird im Jahre 1738 in Paris in einer
Fischerbude nahe dem kurz zuvor aufgelassenen Cimetiere des
Innocents geboren. Die Gerüche zeichnen vom ersten Tag seiner
Geburt den Lebensweg Grenouilles. Er riecht selbst nicht und
riecht dennoch alles, ein Mensch ohne Geruch, ausgestattet aber
mit einem äußerst empfindlichen, sozusagen absoluten
Geruchssinn. Geleitet von den Düften und Gerüchen erschließt
er sich Paris und treibt ihn schließlich im Alter von 15 Jahren
zu seinem ersten Mord an einem jungen Mädchen.
Der
Mord dient ihm nur dazu, den Duft des Mädchens vollständig
aufzunehmen. Noch Jahre später kann er den Duft wahrnehmen.
Grenouille fängt bei einem ehemals berühmten Parfumeur eine
Lehre an. Sein Ziel ist es, Düfte zu extrahieren und
konservieren, um sie materiell zu besitzen. Nach seiner
Ausbildung geht Grenouille nach Grasse, dem Parfümzentrum
Frankreichs. Seine Reise dauert sieben Jahre, und unterwegs
erkennt Grenouille, dass er geruchlos ist. In Grasse kreiert er
die menschlichen Duftnoten. Diese Jagd lässt ihn zum Mörder an
25 der schönsten Frauen von Grasse werden. Grenouille
konserviert deren Düfte, um sie zu besitzen. Endlich seiner
Taten überführt und zum Tode verurteilt, gelingt es ihm, die
Menschenmasse durch das Parfum in Massenhypnose zu versetzen. Die
Bürger von Grasse lassen ihn frei. Grenouille kehrt zurück nach
Paris, wo ihn Mörder, Diebe und Gesindel umbringen.
2.2.
Die Taube
Während
der Kriegszeit, im Jahre 1942 werden Jonathans Eltern in das
Lager von Drancy und dann weiter nach Osten geschickt, von wo
niemand mehr zurückkommt. So kommt es, dass er und seine kleine
Schwester bei einem ihrer Onkel aufwachsen. Anfang der
Fünfzigerjahre verpflichtet sich Jonathan zu einem 3 jährigen
Militärdienst, wo er unter anderem in Indochina im Krieg
mitkämpft.
Als er
wieder nach Hause zurückkehrt, bekommt er die Nachricht, dass
seine Schwester nach Kanada ausgewandert sei. Von ihm wird nun
verlangt, dass er sich mit Marie Baccouche vermählt, die aber
kurze Zeit nach der Trauung mit einem Obsthändler durchbrennt.
Kurz
Entschlossen reist er mit seinen Ersparnissen nach Paris, wo er
Wachmann in einer Bank in der Rue de Sévres wird. Er lebt
alleine und zurückgezogen in einem Miethaus, was für ihn eine
Art Zufluchtsort ist. Jonathan führt ein bescheidenes und
schematisches Leben bis ihm die Sache, im August 1984, mit der
Taube passiert, durch das sein Leben aus den Fugen gerät. Das
war zuviel für ihn, dem 25 Jahre lang niemand auf dem Gang
begegnet war. Er beschließt in ein Hotel zu ziehen. Von dem
total aus dem langjährigen Rhythmus geworfenen Leben schmiedet
er Selbstmordpläne. Eines Nachts wird er von einem Gewitter
geweckt und läuft verstört zu seinem Zimmer zurück, vor dem
Gott sei Dank keine Taube mehr sitzt. Sein Leben geht nun wieder
in geregelten Zügen weiter.
2.3.
Die Geschichte von Herrn Sommer
Die
Geschichte von Herrn Sommer ist mehr eine Geschichte aus
Begebenheiten und Erinnerung aus der Schulzeit des Ich
Erzählers. Man erfährt über seinen ersten großen
Schwarm, Caroline Kückelmann, welche eine Mitschülerin ist, und
über Herrn Sommer, welcher immer alleine von Dorf zu Dorf
wandert. Weiters werden einem noch die Klavierstunden bei
Fräulein Funkel geschildert, die für den kleinen Jungen kein
Vergnügen sind. Nach einer Unterrichtsstunde war der Bursch
sogar so sehr verzweifelt, dass er mit dem Gedanken spielt,
sich selbst umzubringen. Er entschloss sich von einem Baum zu
springen doch als er kurz vor dem Absprung steht, sitzt Herr
Sommer unter seinem Baum und isst seine Jause. Danach hat der
Junge keine Lust mehr zu springen, da es ihm lächerlich
vorkommt, sich wegen einer Klavierlehrerin umzubringen. Jahre
vergehen und der kleine Bursch hat Herrn Sommer nicht mehr
gesehen doch eines Tages beobachtet der Ich Erzähler
wie Herr Sommer in den See geht. Zuerst vermutet er, dass er
Schwimmen gehen will, aber Herr Sommer geht Schritt für Schritt
weiter in das Wasser, bis nur noch sein Strohhut auf der
Wasseroberfläche schwimmt.
Erst
nach 2 Wochen bemerken die Bewohner des Dorfes das Verschwinden
von Herrn Sommer, doch der Junge, der den Selbstmord beobachtet
hat, erwähnt kein Wort darüber, was er erlebt hat. .
3.
Charakterisierung
3.1.Das
Parfum Jean Baptist Grenouille
Jean-
Baptiste Grenouille wird im Jahre 1738 auf einem Fischmarkt
geboren. Seine Mutter denkt, dass sie wieder eine Totgeburt,
hätte und lässt ihn zwischen den Fischabfällen zurück. Als
der kleine Junge entdeckt wird, bedeutet dies das Todesurteil
für seine Mutter, die gehängt wird für ihre Tat.
Der
kleine Grenouille wird in dieser Zeit von einer Amme zur
nächsten weitergegeben, da er verfressen, gierig und abstoßend
sei. Außerdem besitzt Jean keinen Geruch, was als unangenehm
empfunden wird. Schließlich kommt er zu Pater Terrier. Der Pater
versucht ihn genauso schnell loszuwerden wie die anderen und
bringt Grenouille zu Madame Galliard. Sie ist gefühllos und
gerechtigkeitsliebend. Madame bemerkt, dass der Junge merkwürdig
ist. In Wirklichkeit ist sein ausgeprägter Geruchsinn die
Ursache und Grenouille lebt in einer von Gerüchen bestimmten
Welt. Er sieht die Welt mit der Nase und beginnt schon sehr
früh, sich alle Gerüche genauestens einzuprägen. Was nicht
für seine Nase ergreifbar ist, berührt ihn kaum wie die
Sprache, welche sehr holprig ist, sein ganzes Leben lang.
Im
Alter von acht Jahren beginnt er bei dem Gerber Grimal zu
arbeiten, bei dem er die härteste Arbeit verrichtet. Gehalten
wird Grenouille wie ein Arbeitstier und unterwirft sich seinem
Meister. Später bekommt er mehr Zeit für sich, beginnt seine
Gerüche zu erweitern und begibt sich auf die Jagd nach ihnen.
Eines Tages zieht ein bestimmter Geruch Grenouille an. Er muss
ihn besitzen. Dieser Duft gehört einem Mädchen, das er vom
Willen des Besitzes erwürgt und den Körper jeglichen Duft
aussaugt. In
diesem Moment begreift er, dass er ein Genie, ein Schöpfer von
Gerüchen ist. Fasziniert von dem Geschäft des Parfumeurs
Baldini fragt er eines Tages, ob er nicht das Parfum Psyche
und Amor zusammenstellen dürfe. Baldini willigt ein, und
Grenouille macht sich an die Arbeit. Der Junge schafft es genau
dieselbe Mischung herzustellen und verbessert sie noch.
Baldini ist begeistert und stellt Grenouille
ein. Er verhilft seinen Herren zu großem Reichtum, indem Jean-
Baptiste die besten Erfolgsparfums kreiert. Der Junge erlernt die
Kunst der Herstellung von Parfums und das Destillieren. Nach
einer Zeit lässt Baldini Grenouille davonziehen, da Jean nach
Grasse gehen möchte, um dort noch mehr über Düfte zu kreieren.
Auf dem Weg nach Grasse beginnt er den Geruch der Menschen zu
meiden und zieht sich in völliger Einsamkeit in eine Höhle auf
einem Berg zurück. Sieben
Jahre lang lebt er in Bescheidenheit in der Höhle. Ein Alptraum,
der ihm bewusst macht, dass er selbst keinen Geruch besitzt,
lässt ihn wieder in die Menschenwelt zurückkehren. Als
menschliches Ungeheuer wird Grenouille von einem Adeligen namens
Marquis de la Taillade - Espinasse aufgenommen, dessen
Leidenschaft die Wissenschaft ist und in Jean das perfekte
Versuchstier für seine Vitalitätsfluidum- Theorie sieht.
Marquis macht aus Grenouille wieder einen Menschen und lässt ihn
an einem Parfum werken. So gelingt es Jean- Baptiste Grenouille
zum ersten Mal den Menschengeruch zu imitieren, mit dem er sofort
Erfolg hat. Als der Rummel um ihn zu viel wird, verschwindet er
und macht sich auf den Weg nach Grasse.
In
der Stadt Grasse, dem Parfumzentrum Paris, begegnet Grenouille
wiederum diesem, außergewöhnlichen Duft, der von einem jungen
Mädchen verströmt wird. Von dem Duft völlig ergriffen,
beschließt Grenouille ihn erst in zwei Jahren zu
ernten, wenn er in voller Blüte steht und Jean die
passende Methode gefunden hat. Er findet Arbeit bei Madame
Arnulfi, die das Parfumgeschäft ihres verstorbenen Mannes
weiterführt. Dort erlernt Grenouille die Methode der
Duftstoffgewinnung, und er beginnt die verschiedensten Düfte zu
kreieren, die Grenouille wie Kleider wechselt und die Menschen
somit vollkommen täuschen kann. Seine Leidenschaft ist immer
noch die subtile Jagd auf Gerüche. Er experimentiert
schließlich auch mit Lebewesen, bis es ihm gelingt, einem Hund
die duftende Seele zu rauben. Dies ist der Ausgangspunkt, von dem
er jetzt aus zu arbeiten beginnt. Grenouilles Ziel ist es ein
Duftdiadem, bestehend aus den besten und schönsten Düften der
Welt zu erschaffen. Jean- Baptiste begehrt den Duft gewisser
Menschen: jener äußerst seltenen Menschen, nämlich, die Liebe
inspirieren. Diese sind seine Opfer. Von diesem Zeitpunkt an
geschehen grausame Morde an den schönsten Mädchen der Stadt.
Insgesamt 24 Morde begeht Grenouille, und irgendwann hört er mit
dem Morden auf. Nur ein Mann namens Richis lässt sich von der
Ruhe nicht trügen. Er beschließt, mit seiner wunderschönen
Tochter die Stadt zu verlassen, damit Richis sie beschützen
kann. Seine Flucht wird von Grenouille bemerkt und er reist ihnen
nach. Richis wiegt sich in Sicherheit, muss jedoch am nächsten
Morgen seine Tochter tot auffinden. Richis
schwört Blutrache und entlarvt den Täter. Grenouille soll am
nächsten Tag hingerichtet werden. Die Hinrichtung wird als
Volksfest gefeiert und viele Menschen möchten den Mörder sehen,
wie er stirbt. Dort in der Mitte der Öffentlichkeit tritt Jean
zum ersten Mal sein vollendetes Parfum tragend auf. Die Reaktion
ist atemberaubend, und die Volksmasse beginnt im Liebesrausch
eine Orgie bis in die Extasse zu feiern. Grenouille
erkennt, dass er erreicht hat, was er immer schon ersehnt hat:
Macht, Vergötterung und Liebe. Dennoch steigen all der Hass und
der Ekel vor der Menschheit wieder, und Grenouille erkennt, dass
er in der Liebe der Menschen nie seine Befriedigung finden
würde, sondern nur im Hassen und Gehasst werden. Sein Leben wird
ihm unerträglich und er geht 1767 zurück nach Paris, um sein
Parfum über sich zu schütten und dann von Verbrechern, Mördern
und Gesindel, die zu Kannibalen werden, aufgefressen zu werden.
3.2.Die
Taube Jonathan Noel
Jonathan
und seine kleine Schwester wachsen ohne Eltern auf, da man diese
während der Kriegszeit in das Lager Drancy und dann weiter nach
Osten schickt, von wo niemand mehr zurückkommt. Daraufhin werden
die beiden Kinder mit dem Zug nach Osten geschickt und ein Onkel,
den sie bisher noch nie gesehen hatten, holt sie in Cavaillon ab
und nimmt sie mit auf seinen Bauernhof, wo sie auf Gemüsefeldern
arbeiten müssen.
Zu
Beginn der Fünfzigerjahre verpflichtet sich Jonathan Noel zum
dreijährigen Militärdienst. In diesen Jahren verbringt er unter
anderem Zeit in Indochina im Krieg und weiters hat er auch mit
der Amöbenruhr in einem Lazarett zu kämpfen. Im Jahre 1954
kehrt er wieder zu seinem Onkel zurück, der ihm leider die
traurige Nachricht übermitteln muss, dass seine kleine Schwester
nach Kanada ausgewandert ist.
Von
Jonathan, der sich nun in seinen Besten Lebensjahren befindet,
verlangt sein Onkel, sich mit einem Mädchen aus der
Nachbarschaft zu vermählen, welche Marie Baccouche heißt.
Bereits kurze Zeit nach der Trauung gebärt seine Frau einen
Sohn, doch mit seiner Ehe hat Jonathan kein Glück, weil noch im
selben Jahr seine Gattin mit einem Obsthändler durch brennt.
Er
reist nach Paris, wo er dann den Job als Wachmann in einer
Bank ausübt, den er nun schon über 30 Jahren gewissenhaft
erfüllt. Er lebt in Rue de Sèvres alleine und zurückgezogen in
einem kleinen Miethaus, wo er ein geordnetes und schematisches
Leben führt. Jonathan meidet die Gesellschaft anderer Menschen.
Ein Beispiel dafür wäre, dass er sich jeden Tag, bevor er seine
Eingangstür öffnet, vergewissert ob niemand auf dem Gang sei.
Er ist der Ansicht, dass er durch die Gesellschaft anderer
Mitbewohner seine Anonymität verliert und unter anderem auch
peinlich ist.
Durch
den unerwartetend Besuch der Taube kommt Jonathans geordnetes
Leben, welcher um die 50 Jahre alt ist, durcheinander. Die
erste Begegnung mit dem Tier bringt ihn völlig aus der Fassung
und er denkt sofort, dass er an einem Herzanfall oder
Schlaganfall leiden müsse.
3.3.Die
Geschichte von Herrn Sommer: a) Herr Sommer, b)
Ich Erzähler
a)
Herr Sommer
Über
Herrn Sommer erfährt der Leser in dem Buch Die Geschichte
von Herrn Sommer eigentlich nur sehr wenig. Es wird
beschrieben, dass er stumm, mit seinem leeren Ruchsack und dem
langen, nach Anschein nach etwas merkwürdigen Spazierstock von
Dorf zu Dorf wandert. Ohne diese zwei Stücke geht er nicht aus
seinem Haus. Jeder kennt Herrn Sommer, da es nicht einen Tag im
Jahr gibt, an dem er nicht unterwegs ist. Im Winter trägt er
einen langen, schwarzen etwas steifen Mantel und dazu seine
Gummistiefel und eine rote Bommelmütze. Im Sommer trägt er eine
karamellfarbene Hose, ein Leinenhemd und natürlich seinen
Strohhut.
Niemand
im Dorf weiß eigentlich wirklich wie Herr Sommer im Vornamen
heißt und ob er einen Beruf ausübt oder ausgeübt hat. Es ist
auch nicht bekannt, von wo die Familie Sommer stammt. Eines Tages
sind sie in das Dorf eingewandert und verbargen sich seither in
ihrem kinderloses Haus.
Nachdem
das Verschwinden von Herrn Sommer erst nach ungefähr 2 Wochen
aufgefallen ist im Dorf, kann man den Schluss daraus ziehen, dass
er mit seiner Frau ein zurückgezogenes Leben führt. Seine
Ehefrau ist einige Zeit vor ihm gestorben, welche als
Puppenmacherin im Dorf arbeitet.
Die
Mutter des kleinen Jungen meint, dass Herr Sommer Klaustrophobie
hat. Bei dieser Krankheit fällt es einem schwer, ruhig sitzen zu
bleiben.
b)
Ich Erzähler
Der
kleine Junge, welcher einen älteren Bruder hat, der im Buch nie
namentlich genannt wird, klettert mit Leidenschaft auf
Bäume, da er der Ansicht ist, dass dies ein Ort sei wo man in
Ruhe gelassen wird. Zu dieser Zeit maß er nur wenig über einen
Meter und hat Schuhgröße achtundzwanzig. Der Ich Erzähler ist
so leicht, dass er sogar mit dem Wind fliegen kann.
Seine
erste große Liebe ist Caroline Kückelmann, welche eine
Mitschülerin ist. Immer wenn der Ich Erzähler die
Gelegenheit dazu hat, beobachtet er sie, aber stets immer nur
heimlich, da er ein sehr schüchterner Mensch ist. Als sie im
mitteilt, dass sie mit ihm gemeinsam nach Unterdorf gehen wird,
ist der junge Bursch ganz überwältigt und kann sein Glück kaum
fassen. Er bereitet sogar alles für eine romantische Verabredung
vor, doch als seine Mitschülerin im absagt, enttäuscht ihn dass
sehr.
Der
Ich Erzähler nimmt, wie es in dieser Gemeinde
üblich ist, Klavierunterricht bei Fräulein Funkel, doch diese
machen ihm alles andere als Spaß. Verspielt sich der kleine
Junge nur ein paar Mal, verwandelt sich seine Lehrerin sofort in
eine Furie. Fräulein Funkel wird sehr streng und macht dem
Burschen Angst. Nach so einer Klavierstunde ist es dem Ich
Erzähler zu viel geworden und er denkt an Selbstmord. Er
entschließt sich auf einen Baum zu klettern und von dort runter
zu springen. Als er auf einem Ast sitzt, bemerkt er, dass Herr
Sommer unter seinem Baum steht und plötzlich kommt ihm der
Gedanke, dass es eigentlich ziemlich lächerlich ist, sich wegen
einer Klavierlehrerin so aufzuregen und gleich an Selbstmord zu
denken.
4.
Vergleich von Patrick Süskind mit den Protagonisten
Süskinds
literarische Figuren sind Sonderlinge, die ihre Umwelt als
bedrohlich empfinden, sich zurückziehen oder sprachlos werden.
Die Hauptfigur in der Erzählung Die Taube, der
Wachmann Jonathan Noel, wird aus der Alltäglichkeit in einen
Zustand völliger Hilflosigkeit geworfen. Er mag sein ruhiges und
geordnetes Leben. Jonathan hat es so eingerichtet, dass es aus
Monotonie und Routine besteht. Wenn sich dennoch etwas ändert,
ist er zutiefst verunsichert. Angst flößt ihm schließlich eine
Taube ein, denn diese verkörpert für ihn Anarchie (=
Gesetzlosigkeit, Unordnung) und Chaos.
Der
Ich Erzähler der Die Geschichte von Herrn Sommer
leidet unter seinen Kindheits- und Jugenderlebnissen. Einmal wird
er Zeuge, wie die ruhelose Titelfigur, Herr Sommer, gehetzt mit
Kleidung in einen See geht, als nähme er ein Bad, sich aber
ertränkt. Der Beobachter ist irritiert und unfähig, Hilfe
herbeizuholen oder selbst zu helfen. Die Angst vor dem Tod, wie
er sie bei Herrn Sommer erlebt hat, überträgt sich und hindert
den Ich Erzähler jahrelang daran, über den Vorfall zu sprechen.
Die Psyche des Erzähler Ichs ist diesem Erlebnis in der
Wirklichkeit schutzlos ausgeliefert, erst als Erwachsener
entschwindet das Bedrohliche und die Sprachlosigkeit, nun erst
vermag er darüber zu sprechen.
Der
Protagonist, Jean Baptiste Grenouille zieht sich 7 Jahre
lang zurück und hat auch kaum Kontakt zur Gesellschaft. Er ist
ein exzentrischer Mensch und meidet jeglichen Rummel. Auch all
diese Eigenschaften weist Patrick Süskind auf.
Beginnen
möchte ich mit Jean Baptiste Grenouille, Hauptperson in
Das Parfum.
Patrick
Süskind |
Jean
Baptiste Grenouille Das
Parfum |
| Ein
Studienjahr verbrachte Süskind in Frankreich, wo er sich
mit der französischen Sprache und Kultur vertraut macht.
Der Autor hat sich in Grasse
in Südfrankreich bei der Firma Fragonard mit der Kunst
der Herstellung von Parfums vertraut gemacht und für
seinen Roman literarische sowie kunstgeschichtliche
Studien betrieben, aber auch eine Karte von Paris aus dem
18. Jahrhundert intensiv studiert. Der
Autor des Welterfolges Das Parfum lebt
bescheiden und zurückgezogen in
München, Paris und Südfrankreich. Er gilt als ein menschenscheuer
Mensch und nimmt nicht einmal die
ihm zustehenden Literaturpreise an, da er eine gewisse
Weltangst hat. Süskind gibt nicht
einmal einem Menschen die Hand, wenn dieser krank ist, da
er dies als unhygienisch empfindet. Er
zeigt sich auch kaum in der Öffentlichkeit,
da er die Gesellschaft meidet,
daher kommt es, dass auch kaum Fotos von ihm existieren.
Patrick zeigt auch keinerlei Bereitschaft in Talkshows
aufzutreten. Weiters
wird Patrick S. auch als ein exzentrischer
(= vom Zentrum oder Gegebenen abweichend, abfällig,
absonderlich) und sehr sensibler Mensch
beschrieben, was man ja auch bei Grenouille Festellen
kann. |
In
das Parfum wird der Protagonist in Frankreich
geboren. Jean
Baptiste Grenouille zieht sich
7 Jahre lang in einer einsamen
Gegend in eine Höhle zurück.
Er zieht sich von der Gesellschaft
zurück, obwohl er diese schon immer meidet.
Er
gilt ebenfalls als ein menschenscheuer
und exzentrischer Mensch, da er
keinen Geruch besitzt, aber alle Gerüche bis ins
kleinste Detail riecht und beschreiben kann. Wenn
ihm der Rummel um ihn herum zuviel wird, zieht er sich
ebenfalls zurück. (Im
Buch verschwindet er nach Grasse,
wo bereits Patrick Süskind einige Zeit verbrachte.) |
Nun
zu Jonathan Noel, Die Taube
Patrick
Süskind |
Jonathan
Noel Die
Taube |
| Patrick
Süskind führt ein zurückgezogenes
und bescheidenes Leben, da er nicht
einmal die ihm zustehenden Preise annimmt. Weiters meidet
er auch jegliche öffentliche
Auftritte, wie zum Beispiel bei
Talkshows und er zeigt auch keine Bereitschaft sich
fotografieren zu lassen. |
Jonathan
Noel führt ein geordnetes, nach einem Schema ablaufendes
Leben. Er lebt alleine und
zurückgezogen in einem Miethaus und
er meidet ebenfalls die Gesellschaft
andere Personen. (er vergewissert
sich sogar jeden Tag, bevor er sein Zimmer verlässt, ob
niemand auf dem Gang sei.) Er empfindet das
Zusammentreffen mit seinen Mitbewohnern als eine
peinliche Situation. Jonathan meidet alle Veränderungen,
denn durch diese kommt sein Leben aus dem Gleichgewicht.
Ein harmloses Tier, welche für ihn Anarchie und Chaos
verkörpert, bringt es jedoch zusammen, seinen
Tagesablauf und Gedanken völlig durcheinander zu
bringen. |
Zum
Abschluss noch das Buch Die Geschichte von Herrn
Sommer
Patrick
Süskind |
a)
Ich Erzähler, b) Herr Sommer Die
Geschichte von Herrn Sommer |
| Patrick
Süskind führt, wie bereits oben schon erwähnt, ein zurückgezogenes
und bescheidenes Leben. Über
Patrick Süskind erfährt man sehr wenig, da er Publicity
meidet, doch aus dem Werk Die Geschichte von Herrn
Sommer erhält man einen kleinen Einblick in seiner
Kindheit und Jugendzeit, da dieses Werk zum Teil einer
Autobiographie entspricht. |
Die
Geschichten von Herrn Sommer ist eine
Autobiographie, also eine Beschreibung des Autors als
literarische Kunstform. a)
Der Ich Erzähler ist der einzige Junge aus
seiner Klasse der in Unterdorf wohnt. Dies könnte
eine Anspielung auf Patrick Süskinds zurückgezogenes
Leben sein. Weiters denkt der Bursch
an einen Selbstmord, da er seine Klavierlehrerin, Frau
Funkel, nicht leiden kann. b)
Über Herrn Sommer erfährt man eigentlich nur sehr wenig
in dem Buch. Er wird immer nur beschrieben, dass er alleine
im Lande herum eilt und am Ende des Buches Selbstmord
begeht. Das Verschwinden von ihm, fällt erst einigen
nach 2 Wochen auf. Daraus kann man schließen, dass er
ebenfalls die Gesellschaft meidet und
zurückgezogen mit seiner Frau lebt,
die einige Zeit zuvor gestorben ist. |
Wenn
man sich den Vergleich genauer ansieht, bemerkt man, dass alle
Protagonisten zurückgezogen leben, wie deren Autor. Weiters
weisen alle eine gewisse Eigenheit auf. Grenouille hat keinen
Geruch, Jonathan lässt sein Leben durcheinander bringen, wegen
eines kleinen Tieres und der Ich Erzähler, von dem Buch
Die Geschichte von Herrn Sommer denkt an Selbstmord
und bekommt mit, wie sich Herr Sommer, der Tag für Tag alleine
im Lande herum wandert, im See ertränkt.
5.
Grundgedanke
5.1.
Das Parfum
Jean-
Baptiste Grenouille ist das Opfer widriger Umstände, die sein
Leben in falsche Bahnen lenken. Er muss eine sehr harte und
schwierige Kindheit durchleben, die Grenouille durch Krankheiten,
Unfälle und körperliche Anstrengung erfährt. Jean ist jegliche
Liebe und Zuneigung fremd, da ihn nie jemand geliebt hat. Auch
als er selbst erfährt, dass sein Körpergeruch fehlt, erfährt
Jean- Baptiste Abstoßung und Ablehnung. Er erfasst die Welt
anhand ihrer Gerüche und sieht in Menschen nur Träger von
Duftstoffen, da sie ohne Gerüche wertlos wären. Die Folgerung
daraus ist, dass Grenouille nicht als Mörder geboren wird,
sondern er fällt widrigen Umständen zum Opfer, die ihn in diese
Rolle drängen.
Eines
der wichtigsten Themen, die dieses Buch behandelt, ist die
anscheinend so leicht durchzuführende Manipulation der Menschen.
Wie im Buch dargestellt, war damals im 18.Jahrhundert im
stinkenden Paris die Aufnahme von Eindrücken des Menschen schon
auf das Visuelle fixiert. Heute übertrifft die visuelle
Informationsübertragung alle anderen Arten. Die Welt ist von
flimmernden, grellen, bunten, übersteigerten Bildern
überflutet, hat somit unsere anderen Möglichkeiten der
Sinneswahrnehmung verkümmern lassen und unsere visuelle
Wahrnehmung schließlich extrem abgestumpft. Genau dieses
Unbewusstsein der Menschheit nützt Grenouille aus, um die
Menschen nach seinem Willen zu manipulieren. Anfangs ist es sein
Wunsch, die Liebe der Menschen zu gewinnen. Als ihm das mit Hilfe
eines primitiven Duftes, einem Parfum, auf sehr
umständliche Weise gelingt, muss er es festhalten, dass dies ein
rein narzisstisches Verlangen gewesen ist, das seinem Charakter
gar nicht gleich kommt, da er sich selbst in der Rolle des Genies
sieht. Somit hält
Grenouille für allmächtig und sein einziges Lebensziel ist es,
die Menschen zu betrügen, indem er sich durch die Hilfe der
Düfte beweist, wie mächtig er ist. Jean- Baptiste tötet sich
selbst, indem er sich mit seinem Parfum überschüttet, als er
sein Lebensziel erreicht hat und trotzdem unglücklich ist. Die
Geschichte findet ihren Höhepunkt im Tod von Grenouille.
5.2.
Die Taube
In
"Die Taube" stellt Patrick Süskind einen seltsamen
Kauz vor, der jede Veränderung als Bedrohung empfindet, der am
liebsten anonym und unbeachtet bleibt und Zuflucht in seinem
kleinen Zimmer sucht. Schon der Anblick einer Taube auf dem
Korridor bringt ihn völlig aus dem Gleichgewicht.
Ist Patrick Süskind ein wenig wie Jonathan Noel? Zumindest
meidet er die Öffentlichkeit.
5.3.
Die Geschichte von Herrn Sommer
Auch
in diesem Süskind Buch begegnet man einigen Einzelgängern, aber
einer steht ganz im Zentrum Herr Sommer. Tagaus, tagein
ist er unterwegs. Herr Sommer hastet mir einem Spazierstock
zwölf, vierzehn oder gar sechzehn Stunden am Tag durch die
Gegend. Seltsam ist unter anderem, dass er keine Besorgungen
macht und weiters ist erwähnenswert, dass die Leute sich an
diesen alten Sonderling gewöhnt haben, so sehr sogar, dass sie
nicht einmal über in klatschen. Doch viele Leser werden sich die
Frage stellen, warum Herr Sommer eigentlich immer umher wandert?
Aber auf diese Frage bekommt man eigentlich keine eindeutige
Antwort.
Er
sei auf der Flucht vor dem Tod, heißt es an einer Stelle im
Buch. Es ist möglich, dass Sommer beim Hasten, jene Ruhe finden
will, die ihm nicht mehr vergönnt ist. Die Gründe für Herr
Sommers seltsames Verhalten sind vielleicht darauf zurück zu
führen, dass er und seine Frau, die immer kinderlos geblieben
sind, im Krieg lebten und als dieser zu Ende war kamen sie in
diese Gegend. Hier liegt die Vermutung, dass die Familie Sommer
im Krieg allerlei erlebt hat und diese grausame Zeit verändert
Menschen und deren Verhalten.
In
einem furchtbaren Kontrast zu Herrn Sommer stehen die
Erinnerungen an verschiedene Kindheitserlebnisse des Ich
Erzählers, die zugleich mit den wenigen persönlichen
Begegnungen mit Herrn Sommer verstrickt sind. Der Knabe wohnt als
einziger seiner Klasse in Untersee und nicht in Obersee und ist
unglücklich in seine Mitschülerin Caroline verliebt, und kann
somit dem Schicksal eines Sonderlings nicht entgehen. Im
Gegensatz dazu scheint sich das Leiden Herrn Sommers zu steigern,
da seine einzige Bezugsperson stirbt, seine Gattin.
Während
des ganzen Buches, hört man aus Herrn Sommers Mund keinen
vollständigen Satz, bis auf einmal. Der Ich Erzähler uns sein
Vater fahren im Auto während eines starken Gewitters und
bemerken am Straßenrand den patschnassen Herrn Sommer. Der Vater
stoppt und drängt ihn zum Einsteigen, doch seine Antwort auf
dieses nette Angebot, lautet wie folgend: Ja
so lasst mich doch endlich in Frieden!
Patrick
Süskind behandelt in dieser Geschichte ein sehr ernstes und
schweres Thema und zwar den Selbstmord eines einsamen
Außenseiters, der seine einzige Bezugsperson verloren hat. Es
ist ein stilistisches Zeichen Süskinds Prosakunst, dass er Herrn
Sommers Schicksals darzustellen weiß, indem er sie nur von
außen, also aus der Sicht eines Ich Erzählers, schildert, und
somit der Figur des Herrn Sommer nicht zu nahe kommt und bewahrt
ihr damit jene Rätselhaftigkeit.
6.
Literaturverzeichnis
Süskind,
Patrick: Das Parfum Zürich: Diogenes Verlag AG Zürich
1994
Süskind,
Patrick: Die Taube - Zürich: Diogenes Verlag AG Zürich 1987
Süskind,
Patrick: Die Geschichte von Herrn Sommer - Zürich: Diogenes
Verlag AG Zürich 1991
Kinderls
Neues Literatur Lexikon, Studienausgabe 16; Kinderl Verlag GmbH
Münschen, 1988
Encarta
Professional
copyright by Juliane D.
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